Vom „Buam“ zum regionalen Klimaexperten

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KEM-Manager im Porträt. Drei Jahre nach Gründung der KEM Triestingtal sei das Ziel der Dekarbonisierung bei allen zwölf Gemeinden angekommen, meint Jakob Fröhling. Der PV-Ausbau schreitet voran, drei Energiegemeinschaften sind im Entstehen und die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED ist fast abgeschlossen. Der „Bua“, wie ihn anfangs manche nannten, hat sich durch kompetente Beratungs- und Entwicklungstätigkeit Respekt erarbeitet.

Die Corona-Pandemie hat vieles verhindert, nicht aber den Ausbau der Photovoltaik in der Klima- und Energie-Modellregion Triestingtal. „Seit 2021 konnten wir 38 neue kommunale PV-Anlagen auf den Weg bringen. Der Großteil liefert bereits Strom, einige Anlagen befinden sich gerade in Umsetzung“, freut sich Jakob Fröhling. Zusammen verfügen sie über eine Spitzenleistung von 1,46 MWp. Mithilfe der eNu konnten sich die Bürger:innen an einem Großteil der Anlagen beteiligen. Bemerkenswert: 25 Anlagen davon wurden beziehungsweise werden mit Stromspeichern ausgestattet. Diese können den Eigenverbrauchsanteil des Sonnenstroms erhöhen, das Stromnetz entlasten oder auch zur Notstromversorgung im Falle eines Blackouts dienen.

„Der PV-Ausbau wird auch in den kommenden Jahren weitergehen“, ist Fröhling überzeugt. Aktuell läuft gerade ein Projekt zur Errichtung eines Carports mit PV-Dach auf einem zentralen Parkplatz in Leobersdorf. 32 Stellplätze werden überdacht, fünf davon mit Ladeinfrastruktur ausgestattet. Bewährt sich die Anlage, sollen hier künftig bis zu 61 Parkplätze zur Stromerzeugung genutzt werden.

Drei EEGs, 86 Ladepunkte. Etliche der neuen PV-Anlagen werden auch Teil einer Energiegemeinschaft sein. Die Gemeinde Leobersdorf hat  vergangenes Jahr eine Erneuerbare Energiegemeinschaft (EEG) gegründet. Pottenstein und Berndorf haben ihre Statuten für die Gründung einer Genossenschaft bereits fertiggestellt. Im April soll der Testbetrieb der EEG starten. Bereits heuer im Februar hat die als Verein gegründete EEG Mittleres Triestingtal ihren Betrieb aufgenommen - und zwar in Pottenstein, Berndorf und Hernstein, deren Stromnetze an dasselbe Umspannwerk angeschlossen sind. Fröhling stand und steht den Projektbetreiber:innen beratend zur Seite.

„Auch die E-Ladeinfrastruktur ist gut gewachsen“, sagt Fröhling. Von 2021 bis 2023 entstanden in der KEM Triestingtal elf Schnellladestationen mit 19 Ladepunkten. Zu den 18 bestehenden Typ-2-Ladepunkten kamen 49 dazu. Der Elektroautoanteil am Fahrzeugbestand hat freilich noch viel Luft nach oben. Erst 1,28 Prozent der Autos im Triestingtal werden elektrisch betrieben – eines davon fährt der KEM-Manager selbst. Natürlich legt Fröhling auch seinen KEM-Gemeinden* nahe, ihren Fuhrpark zu elektrifizieren, und holte entsprechende Angebote ein. „Noch schrecken die Gemeinden vor den Preisen für E-Pritschenwagen zurück, Schönau und Pottenstein haben allerdings je ein E-Lastendreirad angeschafft. Einige weitere Gemeinden planen - dies ebenfalls“, so Fröhling.

„Sehr gut angenommen werden die ÖV-Schnuppertickets – Klimatickets für Wien, Niederösterreich und das Burgenland –, die in sechs Gemeinden kostenlos für einen Tag  oder auch übers Wochenende von den Bürger:innen ausgeliehen werden können“, sagt Fröhling. Aktuell führt er Gespräche mit dem Hilfswerk Berndorf, das ein Senioren-Taxisystem nach dem Vorbild von EichgrabenMobil ins Leben rufen will.

 

Effiziente Straßenbeleuchtung. So gut wie abgeschlossen ist im Triestingtal die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED. Im Bereich Energieeffizienz möchte sich Fröhling daher nun auf „Pionierprojekte“ konzentrieren. Im Mai soll beispielsweise die uralte Beleuchtung im Kulturhaus Hirtenberg erneuert werden, um jährlich rund 100.000 kWh Strom einzusparen. Auch einige Sanierungs- und Heizungstauschprojekte in gemeindeeigenen Gebäuden stehen an.

In der Weiterführungsphase der KEM Triestingtal wird sich Fröhling unter anderem dem Fernwärmeausbau widmen: „In Weissenbach und Berndorf, aber auch in anderen Gemeinden gibt es dazu große Potenziale.“ Gleichzeitig ist es ihm ein Anliegen, den Erdgasanteil mancher bestehender Fernwärmenetze durch erneuerbare Wärmequellen zu substituieren. Derzeit laufen Gespräche mit EVN Wärme, um den fossilen Energieanteil durch Erd- oder Grundwasser-Wärmepumpen zu reduzieren. Und natürlich lädt auch die Geosphere-Austria-Studie – der KEM-Newsletter berichtete – dazu ein, das oberflächennahe Geothermiepotenzial zu nutzen.

Kulinarisch, ökologisch. Gemeinsam mit dem Outdoorpädagogen Bernhard Lenz und der Kräuterpädagogin Alexandra Cepko entwickelte Fröhling einen halbtägigen Ernährungs-Workshop, der heuer fünfmal in drei Mittelschulen abgehalten wurde. Im Theorieteil ging es um das, was der Körper benötigt, um gesunde Ernährung, Regionalität, Saisonalität und um den ökologischen Fußabdruck anhand von Erdbeeren aus dem Marchfeld oder aus Spanien. Im Praxisteil wurde mit den empfohlenen Lebensmitteln gekocht und gebacken. Gemüse, Kräuter und Mehl stammten aus Niederösterreich, nur der Zimt auf den Apfelringen in Blätterteig und die Banane im Smoothie zeigten auch die Grenzen der Regionalität auf. Über das Gelernte wurde beim anschließenden gemeinsamem Essen nochmals reflektiert.

Bei Veranstaltungen wie dem Radgenusstag, der E-Mobilitätsmesse Triestingtal, dem Klimapicknick, Sitzungen im Rahmen der Landesaktion „NÖ Gemeinde21“, Klimavorträgen, Infoabenden zu EEGs und Bürgerbeteiligung und vielen weiteren Möglichkeiten vermittelt Jakob Fröhling sein Wissen rund um Energie und Klima an interessierte Bürger:innen. 

Der Entwickler. Jakob Fröhling absolvierte an der FH Campus Wien das Bachelorstudium „Angewandte Elektronik“ und holte sich den Master in der Fachrichtung „Green Mobility“. Danach arbeitete er dreieinhalb Jahre an der Entwicklung von E-Ladestationen, bevor er Anfang 2021 KEM-Manager im Triestingtal wurde. Der gebürtige Mistelbacher lebt mit seiner Partnerin in Altenmarkt an der Triesting und in Wien. In seiner Freizeit geht er laufen, bergsteigen oder klettern. Wenn er noch Zeit findet, versucht er, in der Elektronik nicht einzurosten und repariert Musikverstärker oder Ähnliches.

* Die KEM Triestingtal umfasst die Gemeinden Altenmarkt an der Triesting, Berndorf, Enzesfeld-Lindabrunn, Furth an der Triesting, Günselsdorf, Hernstein, Hirtenberg, Kaumberg, Leobersdorf, Pottenstein, Schönau an der Triesting und Weissenbach an der Triesting.

Weitere Informationen:

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KEM Triestingtal auf klimaundenergiemodellregionen.at

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