SONNENWELT Großschönau gewinnt Klimaschutzpreis

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Das Lainsitztal gehört zu den innovativsten Klima- und Energie-Modellregionen Österreichs. 1986 wurde hier die erste Umweltmesse des Landes ins Leben gerufen. Seit 2007 kann man in Passivhäusern probewohnen. Und seit dem Vorjahr beleuchtet die – nun preisgekrönte – SONNENWELT das Thema Energie von prähistorischen Zeiten bis zur Technik der Zukunft.

„Mensch und Energie. Geschichte erleben. Zukunft gestalten.“ So lautet das Motto der SONNENWELT in Großschönau, einer Passivhaus-Halle mit 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die zwölf Stationen zeigen unter anderem energieeffiziente Nomadenzelte, wie sie vor 10.000 Jahren konstruiert und verwendet wurden, Errungenschaften aus dem alten Ägypten und Rom, den Einzug der Gasbeleuchtung in die Städte bis hin zu aktueller Hightech aus Österreich. Im Freigelände lädt ein Energie-Erlebnisspielplatz zur Auseinandersetzung mit den Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer ein. Und wer mit dem E-Mobil anreist, findet selbstverständlich eine Stromtankstelle auf dem Parkplatz vor dem Gebäude.

 

„Wir möchten die Menschen auf der Gefühlsebene ansprechen und aufzeigen, was jede und jeder selbst zu mehr Energieeffizienz beitragen kann“, erklärt Josef Bruckner. Der pensionierte Volksschuldirektor ist KEM-Manager der Klima- und Energie-Modellregion  Lainsitztal und Umgebung und – gemeinsam mit seinem Bruder Martin, Bürgermeister von Großschönau – Motor zahlreicher innovativer Projekte in Großschönau und Umgebung.

 

Vorreiter. Die Aktivitäten der kleinen Waldviertler Marktgemeinde rund um das Thema Energie reichen bis ins Jahr 1972 zurück, als der Verein für Tourismus, Dorferneuerung und Wirtschaftsimpulse (TDW) gegründet wurde. Stand am Anfang die Ortsbildpflege im Vordergrund, widmete man sich schon bald dem Thema Umweltschutz. „Wir haben beispielsweise als erste Schule Österreichs eine Hackschnitzel-Heizung installiert“, so Bruckner. „In der Folge wollten wir auch der Bevölkerung die Vorzüge des Heizens mit Biomasse aus unserer Region näherbringen.“ So veranstalteten die GroßschönauerInnen 1986 Österreichs erste Umweltmesse, die BIOEM.

 

Bis heute ist die BIOEM Niederösterreichs größte Umweltmesse mit jährlich mehr als 20.000 BesucherInnen. „Mitte der 90er-Jahre durften wir sogar bis zu 35.000 Gäste begrüßen“, erinnert sich Bruckner. Lag der Schwerpunkt anfangs bei Biomasseheizungen, gesellten sich bald AusstellerInnen der Bereiche Solarthermie und Photovoltaik dazu.

 

Passivhaus testen. Bis heute einzigartig ist der Sonnenplatz Großschönau. Seit der Eröffnung im Mai 2007 haben inzwischen an die 7.000 Interessierte das Angebot zum Probewohnen in einem der fünf Passivhäuser genutzt. Damit gelang es den BetreiberInnen, nicht nur, Vorurteile gegenüber dem neuen Baustandard abzubauen, sondern auch wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse über das Benutzungsverhalten zu erlangen. Denn die Passivhäuser sind unauffällig mit Sensoren gespickt, die den Energie- und Wasserverbrauch lückenlos dokumentieren. Gleichzeitig dient der Sonnenplatz als Ausbildungsstätte für Passivhaus-PlanerInnen und die ausführenden Gewerke. Im Vorjahr nutzte die Universität für Bodenkultur den Sonnenplatz als Experimentierfeld für ein Projekt zur Fassadenbegrünung. Auch Energieberaterkurse werden hier abgehalten.

 

Das Lainsitztal beteiligte sich bereits an der ersten Ausschreibung für Klima- und Energie-Modellregionen im Jahr 2009. Seither hielt die KEM zahlreiche Informationsveranstaltungen ab und führte eine E-Geräte-Tauschaktion durch.

 

Jugendarbeit. Besonderes Augenmerk legt die KEM Lainsitztal auf die Jugend. So entwickelte die Sonnenplatz Großschönau GmbH eine „Klimaschutz-Olympiade“ für die vierten Klassen der Volks- und Hauptschulen sowie der AHS. Im Vorjahr beteiligten sich die Volksschulen in Weitra, Großschönau und Bad Großpertholz sowie die Neuen Mittelschulen Weitra und Bad Großpertholz auch an der Pilotphase des Programms Klimaschulen. „Dabei haben wir unter anderem den Schülerinnen und Schülern Strommessgeräte nach Hause mitgegeben, um damit nicht nur die Jugend, sondern auch ihre Eltern zu sensibilisieren“, berichtet Bruckner.

 

Sukzessive fliegen auch die alten Ölheizungen aus Schulen und öffentlichen Gebäuden der Region raus und werden durch Biomasseheizungen ersetzt. In Großschönau wird bereits die Hälfte des gesamten Wärmebedarfs durch Biomasse-Nahwärme bereitgestellt. Auch der Photovoltaik-Ausbau schreitet ständig voran. „Wir liegen derzeit bei 350 Watt pro EinwohnerIn und damit im niederösterreichischen Spitzenfeld, wobei eine große Anlage noch nicht errichtet ist“, freut sich Bruckner. Die PV-Anlage mit 25 Kilowatt Spitzenleistung auf der Kläranlage Rothfarn war die erste ihrer Art in Niederösterreich und gilt als Best-Practice-Projekt.

 

Engagierte BürgerInnen. In allen Gemeinden wurden mehrere Informationsveranstaltungen zu Schwerpunkten wie Althaussanierung, Stromsparen, Effizienzsteigerung oder erneuerbare Energie durchgeführt. Vier Prozent der Bevölkerung bildete die KEM zudem zu „EnergieexpertInnen“ aus – wohl einzigartig in Österreich. Diese Bürgerinnen und Bürger erhoben in allen Haushalten, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen den Energieverbrauch für Wärme, Mobilität und elektrische Nutzung. Jeder Haushalt wurde fürs Mitmachen mit einem eigenen Energieausweis belohnt. Darin sind Aussagen zum Energieverbrauch, Vergleichswerte zum Durchschnittshaushalt, der Energiemix und weitere aufschlussreiche Informationen dokumentiert.

 

Nachdem die Modellregion gemeinsam mit den EntscheidungsträgerInnen aller Gemeinden in Workshops den Weg zu „Übermorgen selbst versorgen“ fokussierte, stehen die nächsten Schritte in den Mitgliedsgemeinden bereits fest. So sind beispielsweise eine Broschüre über erneuerbare Energien und energieeffiziente Elektrogeräte sowie ein Jugend-Energietag geplant.

 

Gratulation. „Der Klima- und Energiefonds gratuliert der KEM Lainsitztal herzlich zum Klimaschutzpreis in der Kategorie Tägliches Leben“, freut sich Ingmar Höbarth, Geschäftsführer des Klima- und Energiefonds. „Die Aktivitäten in der Region haben Hand und Fuß, und ich bin schon sehr gespannt, welche innovativen Projekte Großschönau und seine Nachbargemeinden in nächster Zeit noch entwickeln werden.“


Weitere Informationen:
www.SONNENWELT.at
Kurzvideo SONNENWELT
KEM Lainsitztal und Umgebung
www.probewohnen.at