Biogasnetz kurz vor dem Start

In der Klima- und Energie-Modellregion ökoEnergieland steht das Leitprojekt „Biogas zum Heizen und Tanken“ kurz vor der Umsetzung. Die Planungen zu dem europaweit einzigartigen Projekt sind abgeschlossen. Nun laufen Gespräche, um die Finanzierung endgültig sicherzustellen.

Im burgenländischen ökoEnergieland laufen die letzten Vorbereitungen, um die Region mit Biogas zum Heizen und Tanken zu versorgen. Innerhalb von drei bis fünf Jahren sollen die zahlreichen Streusiedlungen an ein Biogasnetz angeschlossen werden. „So können auch Haushalte mit erneuerbarer Heizenergie versorgt werden, für die ein Anschluss an die Fernwärme nicht möglich ist, weil der Ausbau des Fernwärmenetzes zu teuer käme“, erklärt Reinhard Koch, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für erneuerbare Energie (EEE), Vorstand des Vereins ökoEnergieland und KEM-Manager der gleichnamigen Klima- und Energie-Modellregion.

 

Großprojekt. „Das Leitprojekt der Vorreiterregion ökoEnergieland ist vom Ansatz und von seinem Umfang her einzigartig“, meint Christoph Wolfsegger, zuständiger Programm- und Research-Manager im Klima- und Energiefonds. „Das Biogasnetz leistet einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion, stärkt die regionale Wertschöpfung durch die Verwertung von land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen und bietet zahlreichen Menschen die Möglichkeit, günstiger als mit Heizöl oder Strom zu heizen.“

 

Insgesamt, kalkuliert man beim EEE, wird die Errichtung des Biogasnetzes 27 Millionen Euro kosten. Um die Bagger loszuschicken, benötigen die Projektbetreiber zunächst fünf bis sechs Millionen Euro. Der Rest der Investitionskosten soll durch Anschlussgebühren und die Lieferung von Biogas finanziert werden. Dabei orientiert man sich an den regionalen Fernwärmetarifen. Die Anschlussgebühr ans Biogasnetz wird 10.000 Euro brutto betragen, der Kilowattstundenpreis 10 Cent. Im ersten Bauabschnitt soll die Biogasanlage in Strem mit Strembergen verbunden werden. Bereits heute verfügt die KEM ökoEnergieland über vier Biogasanlagen in Güssing, Strem, Tobaj und Heiligenkreuz. Zwei weitere Anlagen in Güttenbach und Höll sind geplant.

 

Modernste Technologie. Was so einfach klingt, hat allerdings seine Tücken. Denn bis vor Kurzem gab es noch keine zertifizierten Gasthermen, die sich für den Einsatz von Biogas eignen. Der Grund: Biogas besteht nicht nur aus Methan – dem Hauptbestandteil von Erdgas –, sondern enthält auch Kohlendioxid und Schwefel. Und Schwefel kann Korrosion in Heizanlagen oder Motoren verursachen. „Daher hat die Firma Viessmann als Projektpartnerin einen einjährigen Feldtest mit zwei modifizierten Thermen durchgeführt“, so Koch. „Und die Ergebnisse fielen äußerst zufriedenstellend aus.“

 

Besonders empfindlich auf Schwefel reagieren Fahrzeugmotoren. Daher muss das Biogas gereinigt werden, bevor es in den Tank kommt. Dazu hat die TU Wien ein neues Aufbereitungsverfahren entwickelt, das kostengünstiger und energieeffizienter als die bisherigen Entschwefelungsmethoden funktioniert und überdies viel weniger Platz braucht. Statt eines riesigen Containers benötigt das neue Verfahren nicht einmal so viel Raum wie ein zweitüriger Kleiderschrank. „Dadurch wird es möglich, die Aufbereitungsanlagen direkt bei jenen Tankstellen aufzustellen, die sich an unserem Projekt beteiligen“, erläutert Koch. Außerdem wird bei diesem Verfahren der Schwefel oxidiert und kann als Sulfatdünger wieder auf die Felder aufgebracht werden.

 

Ökologisch und kostengünstig. Bereits heute sind im ökoEnergieland aufgrund des im Vergleich zu Benzin und Diesel günstigeren Gaspreises – einmal Volltanken kostet etwa die Hälfte –, zahlreiche Pkws mit Erdgasantrieb unterwegs. Auch Südburg, ein Tochterunternehmen von Dr. Richard, das den Großteil des öffentlichen Verkehrs in der Region abwickelt, hat bereits Interesse angemeldet, seine Busse künftig mit Biogas zu betreiben.

 

Investoren gesucht. „Nachdem eine bereits bestehende Finanzierungszusage im letzten Moment gestoppt wurde und eine Finanzierung über Banken durch die Basel-III-Bestimmungen unmöglich geworden ist, haben wir nun eine Aktiengesellschaft gegründet und hoffen, dass wir bereits im Jänner oder Februar mit den Bauarbeiten beginnen können“, erklärt Koch. Die PRONOVIS AG mit Sitz in Wien sorgt nun für die finanzielle Abwicklung des Projekts. Deren Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Meilinger zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben bereits mehrere Investoren von diesem Projekt überzeugen können, das nicht nur dem Klimaschutz und der Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten dient, sondern auch den Landwirten ein zusätzliches Standbein bietet." Interessierte – seien es GroßinvestorInnen oder Bürgerbeteiligungen – können sich weiterhin an die PRONOVIS AG wenden und an dem Projekt finanziell beteiligen.


Weitere Informationen:

Leitprojekt: Biogas zum Heizen und Tanken
KEM ökoEnergieland
www.oekoenergieland.at
eee-info.net

Im burgenländischen ökoEnergieland laufen die letzten Vorbereitungen, um die Region mit Biogas zum Heizen und Tanken zu versorgen. Innerhalb von drei bis fünf Jahren sollen die zahlreichen Streusiedlungen an ein Biogasnetz angeschlossen werden. „So können auch Haushalte mit erneuerbarer Heizenergie versorgt werden, für die ein Anschluss an die Fernwärme nicht möglich ist, weil der Ausbau des Fernwärmenetzes zu teuer käme“, erklärt Reinhard Koch, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für erneuerbare Energie (EEE), Vorstand des Vereins ökoEnergieland und KEM-Manager der gleichnamigen Klima- und Energie-Modellregion.

 

Großprojekt. „Das Leitprojekt der Vorreiterregion ökoEnergieland ist vom Ansatz und von seinem Umfang her einzigartig“, meint Christoph Wolfsegger, zuständiger Programm- und Research-Manager im Klima- und Energiefonds. „Das Biogasnetz leistet einen wesentlichen Beitrag zur CO2-Reduktion, stärkt die regionale Wertschöpfung durch die Verwertung von land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen und bietet zahlreichen Menschen die Möglichkeit, günstiger als mit Heizöl oder Strom zu heizen.“

 

Insgesamt, kalkuliert man beim EEE, wird die Errichtung des Biogasnetzes 27 Millionen Euro kosten. Um die Bagger loszuschicken, benötigen die Projektbetreiber zunächst fünf bis sechs Millionen Euro. Der Rest der Investitionskosten soll durch Anschlussgebühren und die Lieferung von Biogas finanziert werden. Dabei orientiert man sich an den regionalen Fernwärmetarifen. Die Anschlussgebühr ans Biogasnetz wird 10.000 Euro brutto betragen, der Kilowattstundenpreis 10 Cent. Im ersten Bauabschnitt soll die Biogasanlage in Strem mit Strembergen verbunden werden. Bereits heute verfügt die KEM ökoEnergieland über vier Biogasanlagen in Güssing, Strem, Tobaj und Heiligenkreuz. Zwei weitere Anlagen in Güttenbach und Höll sind geplant.

 

Modernste Technologie. Was so einfach klingt, hat allerdings seine Tücken. Denn bis vor Kurzem gab es noch keine zertifizierten Gasthermen, die sich für den Einsatz von Biogas eignen. Der Grund: Biogas besteht nicht nur aus Methan – dem Hauptbestandteil von Erdgas –, sondern enthält auch Kohlendioxid und Schwefel. Und Schwefel kann Korrosion in Heizanlagen oder Motoren verursachen. „Daher hat die Firma Viessmann als Projektpartnerin einen einjährigen Feldtest mit zwei modifizierten Thermen durchgeführt“, so Koch. „Und die Ergebnisse fielen äußerst zufriedenstellend aus.“

 

Besonders empfindlich auf Schwefel reagieren Fahrzeugmotoren. Daher muss das Biogas gereinigt werden, bevor es in den Tank kommt. Dazu hat die TU Wien ein neues Aufbereitungsverfahren entwickelt, das kostengünstiger und energieeffizienter als die bisherigen Entschwefelungsmethoden funktioniert und überdies viel weniger Platz braucht. Statt eines riesigen Containers benötigt das neue Verfahren nicht einmal so viel Raum wie ein zweitüriger Kleiderschrank. „Dadurch wird es möglich, die Aufbereitungsanlagen direkt bei jenen Tankstellen aufzustellen, die sich an unserem Projekt beteiligen“, erläutert Koch. Außerdem wird bei diesem Verfahren der Schwefel oxidiert und kann als Sulfatdünger wieder auf die Felder aufgebracht werden.

 

Ökologisch und kostengünstig. Bereits heute sind im ökoEnergieland aufgrund des im Vergleich zu Benzin und Diesel günstigeren Gaspreises – einmal Volltanken kostet etwa die Hälfte –, zahlreiche Pkws mit Erdgasantrieb unterwegs. Auch Südburg, ein Tochterunternehmen von Dr. Richard, das den Großteil des öffentlichen Verkehrs in der Region abwickelt, hat bereits Interesse angemeldet, seine Busse künftig mit Biogas zu betreiben.

 

Investoren gesucht. „Nachdem eine bereits bestehende Finanzierungszusage im letzten Moment gestoppt wurde und eine Finanzierung über Banken durch die Basel-III-Bestimmungen unmöglich geworden ist, haben wir nun eine Aktiengesellschaft gegründet und hoffen, dass wir bereits im Jänner oder Februar mit den Bauarbeiten beginnen können“, erklärt Koch. Die PRONOVIS AG mit Sitz in Wien sorgt nun für die finanzielle Abwicklung des Projekts. Deren Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Meilinger zeigt sich zuversichtlich: „Wir haben bereits mehrere Investoren von diesem Projekt überzeugen können, das nicht nur dem Klimaschutz und der Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffimporten dient, sondern auch den Landwirten ein zusätzliches Standbein bietet." Interessierte – seien es GroßinvestorInnen oder Bürgerbeteiligungen – können sich weiterhin an die PRONOVIS AG wenden und an dem Projekt finanziell beteiligen.


Weitere Informationen:

Leitprojekt: Biogas zum Heizen und Tanken
KEM ökoEnergieland
www.oekoenergieland.at
eee-info.net