Verlorene Energie nutzbar machen

REPS

greenstarter im Porträt. Laut Energieerhaltungssatz geht in einem geschlossenen System Energie nicht verloren. Doch Autos mit Verbrennungsmotor sind keine geschlossenen Systeme – und so verpufft bei jedem Bremsvorgang Energie ungenutzt. Das Start-up REPS Tirol möchte einen Teil davon durch in die Fahrbahn integrierte Platten und eine neu entwickelte Technologie in elektrischen Strom verwandeln.

Ein britisches Unternehmen arbeitet seit mehreren Jahren daran, auf Gehwegen und in Gebäuden Schritt für Schritt Strom zu gewinnen. Doch kann sich das rechnen? „Eher nicht“, meint Alfons Huber. „Denn pro ‚Fußabdruck‘ können gerade einmal 0,00000083 kWh in Strom umgewandelt werden. Doch mit Pkws – und erst recht mit Lkws – lässt sich ein Vielfaches an Strom erzeugen.“

Schwerkraft nutzen. Daher hat er gemeinsam mit seinem Team in vierjähriger Forschungsarbeit einen Mechanismus entwickelt, der durch die Nutzung des Gewichts der Fahrzeuge und der Schwerkraft die Stromgewinnung auf Straßen ermöglicht. Zu diesem Zweck werden extrem widerstandsfähige permanentmagnetisch gelagerte Platten in die Fahrbahn eingebaut. Die Verwandlung der mechanischen in elektrische Energie erfolgt jedoch neben der Fahrbahn, um die Komponenten zu schonen, die Wartung zu erleichtern und die Lebensdauer zu verlängern.

„Auf stark befahrenen Autobahnen kann sich unser patentiertes System energetisch rasch amortisieren und auch ökonomisch in weniger als drei Jahren rechnen – abhängig von den Rahmenbedingungen im jeweiligen Land“, ist Huber nach abertausenden Simulationen und Berechnungen überzeugt. „Bei der Mautstelle auf dem Brennerpass könnten wir beispielsweise jährlich zwei bis drei Millionen Kilowattstunden generieren.“ Als Minimum für eine wirtschaftliche Umsetzung nennt er 10.000 Pkws oder 4.000 Lkws pro Tag.

Straße als Kraftwerk. REPS steht für „Road Energy Production System“, und es soll dort zum Einsatz kommen, wo Fahrzeuge abbremsen müssen – also etwa auf Autobahnabfahrten, vor Mautstationen, Kreisverkehren und so weiter. „Auf freien Fahrtstrecken müsste die gewonnene Energie durch einen leichten Tritt aufs Gaspedal ausgeglichen werden, um das ursprüngliche Tempo beizubehalten“, erklärt Huber. „Dort, wo ohnedies gebremst werden muss, kann tatsächlich Energie gewonnen werden, die sonst verloren ginge.“ REPS nutzt zwar keine erneuerbare Energiequelle, spart aber  trotzdem durch die Bereitstellung eines energetisch amortisierenden Energiewandlers CO2 und fällt deshalb in die Kategorie eines „grünen Energiewandlers“. Am effizientesten ließe sich der den Fahrzeugen abgenommene Strom vor Ort verwenden, also etwa für die Straßenbeleuchtung, für Mautstationen oder E-Tankstellen.

REPS Tirol wurde mit dem Tiroler Innovationspreis 2022 ausgezeichnet und schaffte den Einzug ins Finale von greenstart, der Start-up-Initiative des Klima- und Energiefonds. Die beiden Gründer und Entwickler schätzen hier vor allem den Austausch mit Energiewirtschaftsexpert:innen und anderen Start-ups, die ebenfalls im Energiebereich tätig sind.

Teststraßen gesucht. Bis Ende des Jahres möchte REPS Tirol das erste Real-Case-Szenario, also eine Teststrecke auf einer Straße, einrichten, um damit zu beweisen, dass das System nicht nur im Labor funktioniert. Gelingt das, wollen die beiden Gründer Investor:innen für ihre Straßenkraftwerke begeistern und im nächsten Jahr zehn Teststrecken umsetzen.