eCarsharing in der Gemeinde Prutz

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Zwei E-Fahrzeuge des Typs Renault Zoe stehen seit Februar 2022 für interessierte Nutzer und Nutzerinnen beim Gemeindehaus Prutz bereit und bieten zukünftig flexible, kostengünstige und klimaschonende Mobilität für alle Menschen aus der Region. Die Gemeinde Prutz schafft mit ihrem „e-Go Prutz“ getauften eCarsharing ein sehr zeitgemäßes und zukunftsweisendes neues Mobilitätsangebot und geht damit mit gutem Beispiel voran.

Modellregion:
Landeck

Ansprechperson:

Elisabeth Steinlechner
0660/6503001
Projektinhalt und Ziel

Nach einem Impulsvortrag und Workshop der KEM Landeck zum Thema eCarsharing in der Gemeinde Prutz mit Bürgermeister Heinz Kofler und seinem Gemeinderat war schnell klar, dass die Gemeinde Prutz eCarsharing für Ihre BürgerInnen anbieten wollte.

Das Ziel war, innerhalb 1 Jahres mind. 1 E-Fahrzeug für Carsharing in der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Ca. 3 Monate dauerte die Konzeptphase, durchgeführt von der KEM Landeck. Noch einmal ca. 6 Monate dauerte die Umsetzung dieses „selfmade“-eCarsharing-Angebots. Nach 1-monatiger Probezeit nur für interne Zwecke (Gemeindeverwaltung und -politik sowie Sozialsprengel) wurde das eCarsharing Prutz mit gleich 2 Fahrzeugen am 14. Februar 2022 für die Öffentlichkeit eröffnet.

Projektablauf

Bereits zu Beginn des Jahres 2021 begannen die ersten Gespräche für ein eCarsharing in der Gemeinde Prutz im Rahmen der Rundum Sorglos Begleitung für eCarsharing der KEM Landeck. Bürgermeister und Gemeinderat zeigten Interesse bei einem ersten Online-Infotermin mit Thomas Geisler von der Energie Tirol und er KEM Landeck. Eine intensive Recherche und Aufbereitung aller Detailfragen und Umsetzungsvarianten wurden von der KEM Landeck als Service für die Gemeinde angeboten und durchgeführt. Aufbauend darauf entstand bis zum Sommer ein konkretes Umsetzungskonzept, welches die KEM Landeck der Gemeinde vorlegte. Auch die Angebotsphase und die genaue Ausgestaltung wurden betreut. Damit konnte die Gemeinde Prutz bestmöglich bei ihrem Vorhaben unterstützt werden.

Dennoch lag es an der engagierten Gemeindepolitik und vor allem der Gemeindeverwaltung, dass die Umsetzung so zügig voranging:

Nachdem schon während der Konzepterstellung die Vorgabe gemacht wurde, es solle mit eigenen Fahrzeugen umgesetzt

werden kam ein Vertrag mit einem eCarsharing-Komplettanbieter nicht in Frage. Nach der Konzeptionierung betrug die Umsetzungsphase trotzdem nur etwa 6 Monate für Kauf und Inbetriebnahme der eigens angeschafften E-Fahrzeuge, Erstellung der Ladeinfrastruktur sowie Abschluss eines passenden Versicherungsvertrags und eines Vertrags für die Online-Buchungs- und Abrechnungsplattform.

Aktiv nutzbar für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger der Region ist das eCarsharing-Angebot der Gemeinde Prutz, das e-Go eCarsharing Prutz getauft wurde, nun seit Februar 2022. In der Zeit davor wurde es bereits vom Sozialsprengel und der Verwaltung begeistert angenommen. Die Kooperation mit dem Sozialsprengel wurde von Beginn an verfolgt.Die Gemeinde Prutz geht damit mit gutem Beispiel voran und bietet die Blaupause für weitere eCarsharing Projekte in der KEM Landeck.

Die KEM Landeck hat die Inbetriebnahme mit zwei Videobeiträgen im Landeck Kabelfernsehen(KEM TV) begleitet. Das eCarsharing in Prutz erfreut sich sehr großer Beliebtheit und wurde um einen Kooperationspartner ergänzt: die Lebenshilfe Tirol ist mit einigen KlientInnen registriert. Die KlientInnen selbst können das Fahrzeug online registrieren für Erledigungen und Ausflüge und die zuständigen BetreuerInnen/Zivildienenden führen die Fahrten mit ihnen durch. Es wird bald noch ein zusätzliches E-Fahrzeug für das eCarsharing Prutz angeschafft werden.

Angabe / Abschätzung der Kosten in EUR

In der KEM Landeck sind in der Maßnahme „eCarsharing Rundum Sorglos Begleitung“ folgende Kosten entstanden: Die Organisation und Durchführung der Workshops, Aufbereitung der Inhalte/Möglichkeiten sowie intensiven Diskussionen mit der Gemeinde Prutz durch die KEM Landeck hat Kosten von ca. 2.000 € verursacht. Weiters wurden in der KEM Landeck für die konkrete Konzeptionierung des Projekts ca. 4.000 € verbraucht, da es für die Region das erste Projekt eines „selfmade“ eCarsharing war. Alle Fragen von Haftung bis zu Versicherung und Betreuung der eingesetzten Fahrzeuge wurden dabei von der KEM Landeck beantwortet, aufbereitet und Lösungsvorschläge unterbreitet. Ein Netzwerk zu Betreibern in Tirol und Vorarlberg wurde aufgebaut.

Von der Gemeinde wurden 2 Fahrzeuge des Typs Renault Zoe für je 20.000 € sowie zwei Ladestationen zu in Summe 1.200 € angeschafft.

Die laufenden Kosten betreffend Versicherung sowie Onlinebuchungsplattform und Abrechnungssoftware liegen in Summe

unter 100 €/Monat. Die Betreuung und Reinigung der Fahrzeuge durch Mitarbeiter der Gemeinde Prutz werden nicht gesondert berechnet. Rückläufe über die Vermietung der Fahrzeuge liegen bei voraussichtlich 700 – 800 €/Monat.

Nachweisbare CO2 Einsparungen in Tonnen

Bei einer durchschnittlichen Nutzung von 1.000 km/Jahr und Registrierung wäre bei 50 registrierten NutzerInnen mit einer Einsparung von mind. 6.000 Tonnen CO2 pro Jahr zu rechnen. Da durch das Angebot eines eCarsharings im Ort jedoch auch Zweit- und Dritt-Autos oder bei älteren BewohnerInnen sogar das Erstauto ersetzt werden kann müssten noch zusätzliche Einsparungen berücksichtigt werden, die durch vermiedene Fahrten entstehen. Diese können jedoch nicht qualitativ erfasst werden.

Projekterfolge (Auszeichungen) / Rückschläge in der Umsetzung

Ziel war es, im Jahr 2022 ein E-Fahrzeug für eCarsharing in Prutz zu installieren. Durch die Kooperation mit dem Sozialsprengel wurden schlussendlich 2 E-Fahrzeuge angeschafft und diese sind seit Februar 2022 über das Prutzer eCarsharing für die Öffentlichkeit nutzbar. Es gab eine Pressekonferenz dazu eine Woche vor Inbetriebnahme. Die Presse und das Landeck Kabel-TV haben darüber berichtet. Das Projekt hat eine eigene Website und ist auf der KEM Landeck-Website unter News und unter KEM TV zu finden.

Probleme haben sich ergeben bei den Bemühungen der KEM Landeck und der Gemeinde Prutz, das „selfmade“ eCarsharing Angebot aus Prutz in den VVT Carsharing Verbund zu integrieren, da dafür eine sehr kostenintensive Schnittstellenprogrammierung aus dem Abrechnungsprogramm notwendig gewesen wäre. Diese ist jedoch für ein Einzelprojekt nicht finanzierbar. Das eCarsharing von Prutz ist damit für Tiroler Jahreskartenbesitzer mit Carsharing Zusatzvertrag nicht nutzbar. Sie müssen sich gesondert in der Gemeinde Prutz registrieren. Für eCarsharing außerhalb des VVT-Verbunds ist auch die Tiroler eCarsharing-Förderung nicht ansprechbar.

Die Gemeinde musste daher auf die Förderung von 5.000 € pro Fahrzeug sowie auf die Tiroler Förderung für die Ladestationen für die Carsharing-Fahrzeuge verzichten. Aus dem Topf des Sonderförderprogramms Oberes und Oberstes Gericht (Regionalwirtschaftliches Förderprogramm des Landes Tirol für strukturschwache Regionen) konnte dafür eine Förderung für die Fahrzeuge zugesprochen werden, jedoch nicht in der Höhe der allgemeinen eCarsharing-Landesförderung.

Nachhaltige Perspektiven

Die Gemeinde Prutz hat sehr schnell die Entscheidung getroffen, dass eCarsharing ein Angebot bzw. Service in ihrer Gemeinde sein soll. Sie sehen es als Möglichkeit, die Bürgerinnen und Bürger dabei zu unterstützen, ihre Mobilitätskosten gering zu halten . Viele junge Familien in Prutz können sich dadurch ein Zweitauto sparen. Da Carsharing in den allermeisten Fällen nicht kostendeckend ist muss es als Service und nachhaltiges Mobilitätsangebot verstanden werden, das eine Gemeinde ihrer Bevölkerung aktuell bieten sollte. Genauso wurde es auch kommuniziert. Gleichzeitig wurden die Aufgabenpakete für das „selfmade“ Carsharing auf die Verwaltung und Politik aufgeteilt. Unterschiedliche Personen waren für die Anschaffung der Fahrzeuge, die Versicherung sowie die Überarbeitung der Vertragsunterlagen zuständig. Für die Projektleitung konnte der Waldaufseher gewonnen werden. Er entwickelte außerdem mit der KEM Landeck die Marketingmaßnahmen und wurde Feuer und Flamme für das neue Angebot. Auch die neue, zusätzliche Kooperation mit der Lebenshilfe ist auf sein Engagement zurückzuführen.

Andere Gemeinden in der KEM Landeck haben sich das Angebot bereits vor Ort angeschaut. Es ist in aller Munde. Die Gemeinde Prutz steht jederzeit für alle Interessierten Rede und Antwort, auch über mögliche Stolpersteine, die alle bei der Umsetzung beseitigt werden konnten.

Modellregions-Manager

Elisabeth Steinlechner
Steinlechner Elisabeth

     43-5442-67804
     43-660-6503001
     e.steinlechner@e3-consult.at

Berufliche Laufbahn

Elisabeth Steinlechner betreut seit vielen Jahren die Energiethemen im Bezirk Landeck für Gemeinden und Betriebe. Sie hat mit dem Regionalmanagement Landeck Investkostenförderungen für Photovoltaik, Energieeffizienz, Trinkwasserkraft und LED-Straßenbeleuchtung in den regionalen Förderprogrammen entwickelt und betreut. Mehr als 40 betriebliche PV-Projekte bis zur einer Größe von 350 kWp konnten dabei gefördert werden. Viele regionale Energieprojekte wurden von ihr in Umsetzung gebracht. Sie betreut den Arbeitskreis Erneuerbare Energien, eine Plattform für Fachleute aus dem Dreiländereck Landeck/Imst, Vinschgau und Engadin und ist in vielen Tiroler Netzwerken und einschlägigen Kommissionen tätig, u.a. ist sie Vorstandsmitglied der Energie Tirol.


Ort
Innsbruck